Kapinjalasana & Der Weg der Mitte
| Kapinjalasana – abgeleitet von Kapinjala (Rebhuhn) und Asana (Haltung) – kann als „Rebhuhn-Haltung“ übersetzt werden. Der Weg der Mitte, wie ihn der Buddha nach seinen Erfahrungen zwischen Überfluss und Askese erkannte, beschreibt das Gleichgewicht jenseits von Extremen. Auch in den Yoga Sutras von Patanjali finden wir diesen Gedanken wieder: „sthira sukham asanam“ beschreibt die Qualität unserer Haltung als Balance zwischen Stabilität und Leichtigkeit.
In Kapinjalasana begegnen sich Gegensätze unmittelbar. Kraft und Mobilität, klares Engagement und weiche Hingabe wirken zusammen. Die Haltung entsteht aus Bewegungen in verschiedene Richtungen: Das Standbein und der Stützarm schieben kraftvoll nach unten, das Herz hebt sich nach vorne oben, und der gehobene Fuß drückt aktiv nach hinten in die Hand. Dieses bewusste Gegengewicht ermöglicht erst das Verweilen. Aus dem gleichzeitigen Bewegen in entgegengesetzte Richtungen wächst Balance – die Mitte.
Auch innerlich lädt uns Kapinjalasana ein, diese Mitte zu erforschen. Vielleicht begegnen wir Anstrengung, Unsicherheit oder Ehrgeiz. Anstatt gegen das Unangenehme anzukämpfen oder am Angenehmen festhalten zu wollen, verweilen wir wach im Moment. In dieser wachen Präsenz darf Balance entstehen – nicht als starres Gleichgewicht, sondern als lebendige, atmende Mitte, die alle Erfahrungen enthalten kann.